Ein unvergleichliches Erlebnis – Sonnenfinsternis in Dallas

Ein unvergleichliches Erlebnis – Sonnenfinsternis in Dallas

Nach dem langwierigen Grenzübertritt erholen wir uns für eine Nacht bei unserem Freund Bill in Yuma, wo wieder mal ein grosser Berg Amazon-Pakete aufs Auspacken – und Verstauen… –  wartet.

Unser nächstes Ziel ist nun also Dallas, rund 1200 mi / 2000 km entfernt.

Der Pfad der totalen Sonnenfinsternis verläuft unter anderem quer über Texas, zwischen San Antonio und Dallas. Wir dachten uns, dass wir uns die Sonnenfinsternis dort «irgendwo» anschauen und dann endlich einmal Derrick und Lynette bei Dallas besuchen könnten. Wir hatten das nette Paar im August 2021 kennengelernt, als wir sie im Canyonlands NP aus dem Green River Canyon «retteten».
Als vorsichtig anfragen, ob sie überhaupt da sind und Zeit haben, laden sie uns spontan ein, sie nicht nur zu besuchen, sondern gleich mit ihnen die Sonnenfisternis auf der Ranch ihrer Freunde Ian und Darlene zu erleben! Was für ein nettes Angebot, das wir sehr, sehr gerne annehmen!!! Nicht nur freuen wir uns, die beiden wiederzusehen, sie nehmen uns auch das grosse Problem ab, einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden. In Texas ist das meiste Land privat und wir haben festgestellt, dass viele, viele Leute hierherkommen möchten, um dieses Naturereignis zu beobachten, was heisst, dass die zahlbaren State Parks in der Nähe schon seit langem ausgebucht sind und dass sogar Private, die für diesen Anlass ihr Land für Camping zur Verfügung stellen, schon voll sind (abgesehen davon, dass viele sich diese Dienstleistung ordentlich abgelten lassen).

 

Also fahren wieder die gleiche Strecke wie vor zwei Monaten, diesmal einfach in umgekehrter Richtung. Die karge Landschaft wird inzwischen durch ein paar Blumen aufgelockert, ansonsten ist es einfach gross, weit und leer. Für die Übernachtung ziehen wir uns auf BLM-Land etwas abseits der Strasse zurück. Entgegen unserer Vermutung sind wir hier nicht die einzigen und wir treffen «in the middle of nowhere» auf eine sehr nette Familie aus Phoenix. Es sind Robert mit Frau Kim und Mutter Mary, die ebenfalls auf dem Weg Richtung Sonnenfinsternis sind. Mary ist 93 und kommt ursprünglich aus dem Oberammergau, so dass wir uns sehr vergnügt auf Deutsch unterhalten.

 

Am nächsten Tag verabschieden wir uns von den dreien und fahren weiter Richtung Osten. Nach Las Cruces nehmen wir dieses Mal die südliche Route. Es ist heiss (bis 32°), hat viel Verkehr und bei El Paso auch einen ordentlichen Stau wegen einer grossen Baustelle. Wir sind froh, als wir den Cracker Barrel in Midland TX erreichen, den wir uns als Übernachtungsort ausgesucht hatten.

Die Weiterfahrt nach Dallas ist dann einerseits schön (viele Blumen), andererseits sehr mühsam: Es hat – nach unserem Empfinden unendlich – viele einspurige Baustellen, die wir zum Teil auf der Frontage Road umfahren, und der Grossraum Ft. Worth/Dallas ist verkehrsmässig sowieso der Horror (immerhin hat der Dallas–Fort Worth metroplex in etwa die Grösse der Schweiz, bei etwa 8.3 Millionen Einwohnern). Wir sind sehr froh, als wir endlich das Haus von Derrick und Lynette erreichen, die uns gleich mit der berühmten Southern Hospitality begrüssen und verwöhnen!

 

Als Willkommensdinner gibt es ein wunderbares reverse seared steak und am nächsten Tag machen sie mit uns einen Ausflug nach Dallas zum Arboretum und zeigen uns auf der anschliessenden Stadtrundfahrt die Innenstadt von Dallas (an Parken ist nicht zu denken… – Wir sind definitiv nicht die einzigen, die für die Sonnenfinsternis gekommen sind…). Den Abend verbringen wir zusammen in Downtown Rockwall, wo wir ausgezeichnet italienisch essen gehen. Derrick beginnt bereits mit den Vorbereitungen für das Essen auf der Ranch: ein richtiges Texanisches Brisket braucht viel Zeit und Pflege! Wir staunen, wie er das riesige Stück erst trimmt und dann in einem mehrstufigen Prozess über Nacht im Smoker langsam gart, wobei das Stück unter tatkräftiger Mithilfe von Lynette immer wieder mit Fett bestrichen und in butcher paper («Metzgerpapier») gewickelt wird.

 

Am Tag vor der Sonnenfinsternis fahren Derrick und Lynette und wir zur Ranch von Ian und Darlene, wo wir auch ihre Kinder und deren Frauen und Freunde kennenlernen. Es ist eine fröhliche Runde, die sich hier für die Sonnenfinsternis getroffen hat, und wir werden von allen herzlich willkommen geheissen. Es ist strahlendes Wetter und Ian zeigt uns auf einer Rundfahrt mit dem ATV gleich sein schönes Gelände. Den ganzen Nachmittag und Abend über gibt es Getränke und Spass und Spiel und natürlich – und vor allem – reichliches und super feines Essen: Unter anderem die „Texan Trinity“ – Derricks während 17 Stunden (!) gepflegtes Brisket, das nur so im Mund zergeht, Ribs und smoked sausages – oder Beer in Butt Chicken. Wir steuern «Swiss Mac and Cheese» (Älplermagrone) zum Buffet bei, die grossen Anklang finden. Vom Dessert sind mir die wunderbare Tarte Tatin und die witzigen Krispy Kreme-Eclipse Donuts besonders in Erinnerung geblieben. Wir spielen, schwatzen und essen bis spät in die Nacht, finden noch einen im Schwarzlicht grün leuchtenden Skorpion und fallen dann sehr satt und voller Erwartungsfreude in unser Bett.

 

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, trauen wir unseren Augen kaum: Es herrscht dicker Nebel! Und als der sich endlich auflöst, ist es bedeckt! Das darf doch nicht wahr sein!!! Nach dem Frühstück versammeln sich gegen Mittag alle auf der Wiese vor dem Haus und gucken nach oben, wo eigentlich der Beginn der Sonnenfinsternis zu sehen sein sollte. Aber – es ist immer noch bewölkt! Doch da, plötzlich zeigt sich ein kleines Stück blauer Himmel! Dort noch eins!!! Es gibt immer mehr Wolkenlöcher, die auch immer grösser werden! Es reicht gerade, dass wir die Totalität fast wolkenlos erleben können! So ein Glück!!! Das Erlebnis der hier fast 4 Minuten dauernden totalen Sonnenfinsternis selbst ist atemberaubend und schwierig zu beschreiben. Bis zum Schluss merkt man kaum etwas davon (und kann auch nicht ohne Spezialbrille hinschauen), aber als sich der Mond (scheinbar) zwischen Erde und Sonne «schiebt», wird es plötzlich kalt und dämmerig. Alles ist still, keine Vögel mehr, keine Insekten. Es ist, als ob die Erde den Atem anhielte. Anstelle der warmen Sonnenscheibe steht einfach eine tiefschwarze Scheibe am Himmel, die vom weissen Corona-Kranz umspielt wird. Gleichzeitig öffnet sich der Blick ins All und man sieht mitten am Tag die Sterne. Obwohl ich im Kopf natürlich weiss, worum es sich handelt und dass es nur vier Minuten dauert, ist doch tief drinnen, instinktiv, die Erleichterung gross, als die Sonne dann tatsächlich wieder hervorkommt…

Es war einfach unbeschreiblich toll und wir sind sehr dankbar, dass wir das erleben durften!!!

 

Was wir für ein Riesenglück hatten merken wir erst danach! Denn nicht nur kommen kurz darauf heftige Gewitter, wir erfahren auch, dass sich die Bewölkung in grossen Teilen von Texas während der Sonnenfinsternis nicht aufgelöst hat!

Wir verbringen noch zwei weitere Nächte bei unseren lieben Freunden Derrick und Lynette, die uns lustige Spiele zeigen und mit Essen und Trinken (Derrick mixt tolle Drinks!) verwöhnen. Wir haben uns so wohl und willkommen gefühlt und sind dankbar für die grosse Gastfreundschaft!

 

Nach dieser wunderschönen Zeit fahren wir so schnell wie möglich wieder nach Westen, um unsere Freunde Don, Bill und Bob auf ihrem Spring Trip im Panamint Valley zu treffen – wegen der Sonnenfinsternis, die halt nur hier in Texas und weiter östlich zu sehen war, ist es ein ganz schönes «Hin und Her» geworden…

Nach unseren Erfahrungen bei der Herfahrt nehmen wir die nördliche Route über Albuquerque und Flagstaff. Bis Witchita Falls TX haben wir ordentlich Gewitter und Regen, dann wird das Wetter aber zunehmend schön und warm. Die erste Nacht verbringen wir auf dem kleinen – und kostenlosen – municipal campground in San Jon NM, die zweite auf der Meteor Crater Rest Area (Homolovi SP war voll und der Walmart in Winslow erlaubt kein Overnight (mehr)). Der dritte lange Fahrtag führt uns über das Colorado Plateau, wo auf rund 2100 m ü. M. die letzten Schneereste liegen, und vorbei am Mojave National Preserve zu unserem üblichen Platz auf BLM-Land bei der Boron FAA Radar Station. Hier machen sich die starken Schnee- und Regenfälle des Winters bemerkbar und wir übernachten bei starkem Wind im Blumenmeer.

Am nächsten Tag ist es nur noch ein kleiner Sprung von 150 km. Auf dem Weg gehen wir in Ridgecrest einkaufen und Wasser auffüllen und fahren dann ins Panamint Valley, wo uns die rumpelige Strasse von Ballarat ins Camp unserer Freunde beim Coyote Canyon führt. Was für ein schönes Wiedersehen mit unseren Freunden Don und Bill, mit denen wir die nächsten Tage verbringen werden.  

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